Falsche Liebe

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Falsche Liebe 
Geschrieben am 2.Februar 2012 


„Es ist eine Sehnsucht, wenn du weg bist.
Es ist das Glück, wenn du da bist.
Es ist Hass, wenn wir streiten.
Es ist Liebe, wenn wir uns berühren.
Du bist diejenige, die ich mal heiraten will.
Du bist diejenige, die immer lieben will.
Niemals werde ich diesen Tag vergessen, als wir uns das erste Mal sahen.

Diese Zeilen war mein erster Brief an dich, mein erster Liebesbrief nur an dich. Es war die Liebe auf den ersten Blick. Ob diese Liebe nur wieder kommen wird? Ich vermisse dich mein fehlendes Puzzleteil in meinem Herz. Alle vermissen dich, aber ganz besonders ich. Du liegst noch immer an meinem Herzen und wirst immer deinen Platz haben. Du wecktest meine Erinnerungen. Weißt du doch, als du bei mir standest, als Lukas das Leben verlor? Genau der, mein kleiner Bruder der ebenfalls durch einen Autounfall starb. Würde ich an Weltheorien glauben, so würde ich an einem Zusammenhang denken, aber wieso stirbst du nun auch? Mein Herz leert sich und ich wünschte mein Leben auch zu beenden, doch es wird immer etwas geben, was zum Festhalten des Lebens dient..“, liest Lenard vor, schließt den Brief, wischt dabei die Tränen aus den Augen, schließt folglich den Brief und legt ihn auf den mit vielen Blumen beschmückten Grabstein.

Die Sonne geht unter und die romantische Dämmerung erstrahlt. Der wöchentliche Montagabend bedeutet für den 14—jährigen blonden Junge Fußballtraining bei seinem Verein im Ort. Tag für Tag und Woche für Woche absolviert er den selben Ablauf. Morgens in die Schule, wo er fleißig um ein gutes Zeugnis kämpft, den Mittag mit seinen Hausaufgaben und Aktivitäten der Freizeit vollbringen und abends läuft dann sein Fernseher oder es ist mal wieder Fußballtraining angesagt. Der Fußball ist nach der verlorenen Freundin die einzige Aktivität, die den total verstörten Schüler noch zum Lachen bringt. Seit Jahren treibt er diesen Sport, doch so eng wie zur aktuellen Zeit, stand er wohl noch nie. Vielleicht folgt er nun endlich seinem Berufswunsch Fußballer zu werden. Sein Traum ist es, später einmal Spieler des Fußballvereins Eintracht Frankfurt zu sein, doch der Weg dorthin ist zu lang und die Chancen zu klein. Aber Lenard hält sich an Träumen fest, denn wozu sind sie sonst da?

Mit seinem Mountainbike radelt der dünne Schüler zum Trainingsplatzes des Ortes, wo auch schon seine Mannschaftskollegen inklusive sein Trainer warten. Die frisch gemähte Wiese duftet bereits aus einer großen Entfernung und lässt einen Fußballer glücklich sein. Doch der verärgerte Trainer verschränkt seine Arme und fragt: „Der Herr nun auch mal anwesend? Die 6 Minuten bleibst du nun heute länger!“, sagt Eric, der Trainer zu Lenard und spricht weiter: „So, nun rennt ihr 15 Runden um den Platz, denn wer so Muskeln wie ich will, muss gefälligst was dafür tun!“. Mit einem lustlosen Nicken starten die Jungs und Mädels die erste Aufgabe des eingebildeten Trainers.

Eric quält die Fußballer immer so. Verständnis für diese Art des Trainers hat keiner, doch wenn er mal etwas erlaubt, ist er der Netteste. Nach zwei Stunden voller Qual dürfen die Lehrlinge sich in der Kabine umziehen und den nun schon beleuchteten Sportplatz verlassen. Beim Gehen wird Lenard aber von Eric gestoppt und bekommt gesagt: „Du nicht! Du sammelst nun alle 150 Bälle ein, die hier quer verteilt worden sind! Dann siehst du wenigstens mal, was für Arbeit ihr mir immer macht. Dann darfst du dich umziehen und gehen! Das nächste Mal kommst du dann hoffentlich pünktlich! Viel Spaß.“ Mit einem gespielten Lächeln sammelt Lenard die Bälle ein, Ball für Ball. Sein normaler wöchentlicher Ablauf, der heute gestört ist, ist sonst immer der gleiche: Fahrrad nehmen, nach Hause radeln, duschen, Fernseher schauen und dann schlafen. Um Punkt 22 Uhr wird der Strom abgeschaltet. Seine strengen Eltern wollen nicht, dass er seinen Schlaf für unsinnigen Kram nutzt. Desto langsamer Lenard nun also die Bälle einsammelt, desto weniger Zeit hat er für den Teil, der Strom braucht, seinem Fernseher. Nach wenigen Minuten ist er auch schon fertig und sucht den Weg in die Kabine. Er zieht seine Fußballschuhe aus und setzt sich hin. Plätschern in der Dusche machen Lenard neugierig. Er steht auf und läuft langsam an die Durchgangstür zu den Duschen, öffnet diese einen Spalt und sieht dort den Teamchef in voller Pracht. Schnell läuft Lenard einen Schritt zurück, doch ohne Zögern stellt er sich wieder zurück und schaut eine Weile zu, bis er merkt, dass der Teamchef Felix – so sein Name – die Dusche langsam ausmachen will. Mit einem schnellen Gang setzt sich Lenard wieder hin und zieht seine Socken, dann Hose und zum Schluss sein Trikot aus. Währenddessen kommt Felix in die Kabine herein und fragt wunderlich: „Huch? Du noch hier, hätte ich das gewusst, hätte ich mir doch ein Handtuch mitgenommen, sorry“. Sein Gesicht bekommt immer mehr an Farbe, man merkt, wie peinlich es ihm ist. Doch nicht besser reagiert Lenard auf den erwarteten Teamchef: „ALTER Felix, was hast du denn für ein großes Teil?!?“. „Nicht so wild Freundchen, meine Süße hat sich noch nicht über mein eigenes Glied beschwert.“, beendet Felix grinsend seinen Satz und beginnt einen neuen: „Ist eigentlich nach deiner Marie vor paar Monaten nochmal etwas mit Liebe gelaufen oder alle eingefroren?“. Lenard schluchzt nur und beginnt zu antworten: „Ich.. Ich.. „ äh, wir können uns ja selbst den Spaß bringen, hehe, aber nein, mit Liebe lief da nichts mehr. Ich habe ihr versprochen nichts anzustellen, bis sie wiederkommt. Und das war mein letzter Satz an sie, den ich vor dem Autounfall ihrer Eltern zu ihr sagte.. aber ich habe mich damit abgefunden. Ich werde einsam bleiben, weil ich nicht anders will“. „Ich versteh nicht, wieso ihr euch immer so schlecht machen müsst“, sagt Felix und spricht weiter, „und noch was, ich habe zwar eine gute Versicherung, aber Beulen in Hosen anderer Jungs werden weder die, noch ich zahlen“, und verlässt das Sportgelände - Lenard richtet schnell seinen Kopf nach unten und macht große Augen. Mit einer schnellen Reaktion greift er nach seiner Jeans und zieht die sich an. Nach dem T-Shirt folgen die Schuhe und fertig angezogen verlässt auch er das Sportgelände.

Mit dem Fahrrad zu Hause angekommen entlüftet sich der Schüler erst einmal, bevor er an seinen PC stürmt. Nachdenklich überlegt er von dem Geschehen wenigen Minuten vorher. Er nimmt sich ein Papier, setzt sich auf seinen schwarzen Bürostuhl und fängt an zu schreiben: „Wie wünschte ich mir nur dieses alte Leben zurück. Täglich habe ich Gedanken von Jungs, täglich habe ich Träume mit ihnen und meine Augen blicken nur noch ihnen hinterher. Bin ich etwa schwul? Woher soll ich das wissen? Wie finde ich das heraus? Und will ich das alles überhaupt? Wenn mir nur jemand helfen könnte, wo bleibt die Hilfe..“ Lenard legt sich in sein Bett. Unter seinem Kopfkissen der geschriebene Brief. Mit Hoffnung nach einer Antwort schließt er seine Augen und schläft ein.
Stunden später wird er durch das Klingeln an der Tür aufgeweckt. In der Nacht arbeiten seine Eltern immer und dies ist der Grund, warum Lenard sich auch an die Tür begeben muss und nachschauen will, wer dort klingelt. Er öffnet die Tür und sein Mund fällt mir mehreren 90 Grad Winkeln auf. Vor der Tür steht Felix. Kreidebleich, zitternd und vor allem nackt steht er kaum noch gerade und fragt: „Kaaaa-nnn iii-ch bi-tttte rrrrr-eeein?“ Lenard legt seinen Arm auf den frierenden Teamkapitän, nimmt ihn mit ins Haus, bringt in erst mal in sein Bett und sagt zu ihm: „Wärme dich erst mal auf, ich schau mal was ich finde.“ Der verwirrte Junge läuft ins Bad und sucht nach Handtüchern – erfolglos. Beim Verlassen des Bades geht er nochmal ein paar Schritte zurück und bleibt vor dem großen Spiegel stehen. Seine Augen richten sich langsam runter. Ebenfalls mit einer lahmen Geschwindigkeit berührt er sein Glied und bemerkt, dass das noch eben nicht versteifte männliches Spaßding nun an Schwung bekam und sich nach oben gebeugt hat. Kopfschüttelnd sucht er den Weg in sein Zimmer, bleibt aber wieder vor der Tür stehen und richtet seinen Kopf um die Türkante. Lenards Handy muss aus Versehen hinuntergefallen. Felix steht auf, beugt sich und streckt dabei seinen knackigen Po in Richtung Lenard. Seine eben nassen Händen reibt er an seinem versteiften Glied und nutzt die einmalige Chance bei Felix.
Am nächsten Morgen öffnet Lenard seine Augen. Neben ihm liegt niemand mehr, nur noch ein Brief. Er öffnet diesen und fängt an zu lesen: „Lieber Lenard, danke für diese tolle Nacht. Du hast meine nachdenkliche Zeit endlich beendet und eine neue Zeit begonnen. Nun denke ich mir, was ist mit Marie? Von einem normal liebendem Mensch zum Schwulen? Mir soll es egal sein, du warst ja nicht schlecht. Ich wollte nie mit einem Jungen im selben Bett landen, also musste ich überlegen, was ich nun mache. Ein Satz fiel mir direkt ein, die du mir mal sagtest, als es dir nicht gut ging. Der war: Ich lege meinen Kopf auf einen Gleis. Ich dachte kurz nach, doch direkt erinnerte ich mich mit einer Verbindung an das Satzende, der hieß: .. doch ich werde schnell wegrennen, denn es gibt immer etwas, an dem man sich festhalten kann. Und genau das war der Punkt. Ich habe dich, warum sollte ich etwas beenden, wenn ich mich an dir festhalten kann. Nun ja, bevor du wieder mal zu spät kommst. Beweg deinen Arsch in die Küche. Dort stehe ich im Bademantel und mach dir grad deinen Kakao. Wenn du nun aber noch grinst, weinst oder sonst was, ist der kalt bist du da.

Danke.“

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